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Diatonische Mundharmonika

Die diatonische Mundharmonika ist wohl die ursprünglichste Form der Harmonika, die heute noch erhältlich ist. Sie wird auch Blues Harp genannt, da sie in der Blues-Musik die am häufigsten eingesetzte Mundharmonika-Art ist. Sie wird oft auch als 10-Loch Harmonika bezeichnet, weil sie 10 Luftkanäle (Kanzellen) hat, in denen jeweils ein Ton beim Blasen und ein Ton beim Ziehen erzeugt wird.

Diatonische Mundharmonika
Blues Harp

 

Grassinger

 

 

Was ist eine diatonische Mundharmonika?

Größe

Es handelt sich um die handlichste Ausführung der Mundharmonika, denn sie passt mit ihren Abmessungen von circa 10 cm Länge und 3 cm Tiefe perfekt in jede Hosentasche. Damit ist sie kleiner als jedes Smartphone!

Preis

Unter allen Instrument-Arten bekommst du die Richter-Mundharmonika preislich am günstigsten. Sehr billige bekommst du bereits für 3 Euro aus Fernost. Ich rate dir aber ganz persönlich von ihnen ab.

Gute diatonische Mundharmonikas fangen bei 25 Euro an. Für etwa 30 Euro erhältst du bereits ein professionelles Instrument, das wie ich finde sehr preiswert ist.

Wie lerne ich diatonische Mundharmonika?

Der Artikel „Wie lerne ich Mundharmonika“ beantwortet alle deine Fragen rund ums Erlernen der Richter-Mundharmonika.

Wer spielt diatonische Mundharmonika?

Pop

Shakira

Shakira Mundharmonika

Carrie Stern

John Popper (Blues Traveler)

John Popper Mundharmonika

Justin Higuchi

John Lennon (Beatles)

John Lennon Mundharmonika

Nationaal Archief, Den Haag

Rock

Billie Joe Armstrong (Green Day)

Billie Joe Armstrong Green Day Mundharmonika

Sister72, Flickr

Chris Martin (Coldplay)

Chris Martin Coldplay Mundharmonika

Christopher Johnson

Sully Erna (Godsmack)

Sully Erna Godsmack Mundharmonika

Tony B., Flickr

Steven Tyler (Aerosmith)

Steven Tyler Aerosmith Mundharmonika

Hans Westbeek

Mick Jagger (Rolling Stones)

Mick Jagger Mundharmonika

Marcel Antonisse / Anefo

Bryan Adams

Bryan Adams Mundharmonika

Derek Hatfield

Country-Musik

Johnny Cash

Johhny Cash Mundharmonika

Dustin Summer, Flickr

Martina McBride

Martina McBride Mundharmonika

Chris Owen

Folk-Musik

Bob Dylan

Bob Dylan Munsharmonika

Prominente

Bruce Willis

Über den Namen Richterstimmung

Die korrekte Bezeichnung der diatonischen Mundharmonika sollte eigentlich Richter-Mundharmonika sein. Es war um das Jahr 1826, als der sudetendeutsche Arbeiter Josef Richter in Böhmen die Welt der Mundharmonika entscheidend prägen sollte. Kurz vorher wurden die ersten Exemplare dieses neuen Instruments erfunden und im Grenzland zwischen Sachsen und Böhmen boomte die Herstellung der Mundharmonika.

Allerdings hatte die damals hergestellte Form mehrere Nachteile.

  • Zum einen wurde der Ton nur durch Blasen erzeugt, wodurch Pausen zum Luft holen nötig waren.
  • Zum anderen waren die Harmonikas chromatisch gestimmt und dadurch für musikalische Laien schwierig erlernbar.

Josef Richter gelang nun ein dreifacher Geniestreich.

  1. Denn er führte das Prinzip der Ziehtöne ein, so dass ein Spieler beim Spielen abwechselnd ein- und ausatmen konnte.
  2. Zudem beschränkte er die Töne des Instruments auf die Noten aus einer Tonart (diatonisch). Der Clou dabei ist, dass der Spieler beliebige Töne spielen kann, und diese nie falsch klingen, solange andere Musiker in der gleichen Tonart spielen. Außerdem reichte dieser Tonvorrat für die damals verbreiteten Volkslieder vollkommen aus.
  3. Richter setzte aber noch eins drauf. Er schaffte es, die Töne so anzuordnen, dass die zwei wichtigsten Akkorde der Tonart, in der die Mundharmonika gestimmt ist, damit spielbar sind. So ist es möglich, nicht nur sehr einfache Melodien zu spielen, sondern auch gleich andere Musiker zu begleiten. Und wer geschickt ist, kann sich sogar selbst beim Melodiespiel begleiten!

Da die eingeführte Tonanordnung so praktisch war und die Volkslieder damals eh fast ausschließlich diese zwei Akkorde benutzten, verbreitete sich die nach ihm benannte Richterstimmung schnell in ganz Europa. Sie wurde letztlich die Grundlage der Tremolo-, Oktav- und chromatischen Mundharmonikas. Man kann also sagen, dass die diatonische Richter-Mundharmonika die Basis aller heute gebräuchlichen Mundharmonikas ist.

Was ist die Besonderheit daran?

Die diatonische Richter-Mundharmonika ist die in der populären Musik am meisten verwendete Mundharmonika. Man kann davon ausgehen, dass mehr als 80% der Lieder mit einer Harmonika, die in den Charts sind und im Radio, Spotify oder Youtube laufen, mit einem 10-Loch Richter-Instrument gespielt werden.

Grundlage der Rockmusik

Außerdem ist sie günstig, klein und passt in jede Hosentasche. Gerade deswegen wurde sie so beliebt und verbreitete sich in Windeseile rund um den Globus. So kam sie dann auch in die Vereinigten Staaten und wurde zu einem Hauptinstrument der Blues-Musik, die die Grundlage der Rock-Musik bildet. Oft wird sie deswegen auch schlicht Blues Harp genannt. Die Hohner Marine Band war lange Jahre DAS Richter-Instrument der Wahl und ist auf zahlreichen Aufnahmen verewigt.

Emotional, funky, dreckig

Obwohl die Richter-Mundharmonika ursprünglich für einfache Volksmusik gedacht war, fanden die afroamerikanischen Spieler heraus, dass dem Instrument auch noch ganz andere Töne entlockt werden können. Heute können fortgeschrittene Spieler durch spezielle Spieltechniken alle zwölf Töne der westlichen Musik darauf spielen.

Und nicht nur das. Die Töne können wie bei der Gitarre in der Tonhöhe gebogen werden. Dadurch ist es möglich, in der europäischen Musik unbekannte aber musikalisch sehr reizvolle Töne zu spielen. Es sind genau diese Töne, die den besonderen Klang der diatonischen Mundharmonika ausmachen.

Andere Mundharmonika-Typen klingen immer etwas lieb und brav. Im Gegensatz dazu, kann die Blues Harp auch sehr luftig, emotional, funky, „dreckig“ und rockig klingen. Durch die Spieltechniken ist die Richter-Mundharmonika in allen Musikstilen einsetzbar.

Welche Varianten gibt es?

Die diatonische Mundharmonika gibt es in der Standardform mit 10 Löchern. Diese ist auch die professionell eingesetzte Form. Daneben gibt es noch Spezialausführungen.

Darüber hinaus sind einige Sonderstimmungen erhältlich. Bei diesen werden einzelne Töne verändert – folgen also nicht mehr der Richterstimmung – um bestimmte Töne einfacher spielen zu können. Dadurch eignen sich diese Instrumente für bestimmte Musikstile besser.

Beispielsweise gibt es die Country-Stimmung oder die Paddy-Richter-Stimmung. Letztere wird gerne im Irish Folk eingesetzt. Manche Sonderstimmungen bekommt man bereits im Handel, für die meisten muss man aber selbst Hand anlegen und sein Instrument umstimmen.

Für Kinder und Anfänger gibt es spezielle diatonische Harmonikas, die das Erlernen des Spielens einzelner Töne vereinfachen soll. Ein Beispiel hierfür ist die Hohner Melody Star.

Erstes Musikinstrument im Weltall

Hast du schon mal Miniatur-Mundharmonikas gesehen? Bei den Mini-Instrumenten stehen dir vier Luftkanäle mit acht Tönen zur Verfügung. Mit ihnen ist es also tatsächlich möglich, eine Tonleiter und viele Melodien zu spielen. Zugegeben – bei den ganz kleinen Mundharmonikas, die man an einer Halskette tragen kann, handelt sich mehr um ein Gimmick als um ein ernsthaftes Instrument. Weil die Kanäle so klein sind, erschwert es das spielen ein bisschen. Aber die Hohner Little Lady hat es gerade wegen ihrer Größe geschafft, den ruhmreichen Titel „Das erste Musikinstrument im Weltraum“ zu sein.

Mini Mundharmonika Weltraum

Es gibt aber durchaus auch Miniatur-Richter-Harmonikas, die als vollwertiges Instrument eingesetzt werden können. Zum Beispiel nutzt Charly McCoy die Hohner Piccolo gerne in der Country-Musik. Auch die Hohner Puck Mundharmonika gehört zu dieser Größenklasse.

Anwendung: Was kann ich damit machen?

Mit einer diatonischen Mundharmonika hältst du ein flexibles Instrument in deinen Händen. Sie eignet sich für das Spielen von Melodien und Solos. Und weil du darauf dank der Richter-Stimmung auch die wichtigsten Akkorde der Tonart der jeweiligen Mundharmonika spielen kannst, ist sie ebenso für die Begleitung geeignet. Sie wird heute aber vorwiegend als Solo-Instrument verwendet.

Einsteiger, Kinder, Profis

Sie kann von Einsteigern leicht erlernt werden und ist als Grundlage zum Erlernen aller Mundharmonika-Arten zu empfehlen. Deswegen ist sie auch für Kinder gut spielbar. Fortgeschrittene Spieler halten mit dieser Mundharmonika ein professionelles Instrument in der Hand, das regelmäßig in aktuellen Hits zu finden ist.

In allen Musikstilen einsatzbereit

Durch Spieltechniken, die später entdeckt wurden, kann die diatonische Richter-Mundharmonika heutzutage in allen Musikstilen angewendet werden. Ganz besonders gut eignet sie sich für Songs aus Pop und Rock. Daneben wird sie regelmäßig auch in der amerikanischen Country-Musik und im Blues eingesetzt. Gerade im Blues ist die diatonische Harmonika stilprägend. Aber auch im Folk, wie z. B. im Irish Folk macht sie eine gute Figur. Weniger oft findet man sie dagegen im Jazz.

Was kann man nicht machen?

Für Musik, bei der Tonarten oft wechseln oder mit komplexen Skalen gespielt wird, ist die diatonische Mundharmonika weniger gut geeignet. Zwar kann ein fortgeschrittener Spieler das Richter-Instrument durchaus auch in diesen Musikstilen einsetzen. Voraussetzung dafür ist aber ein hohes technisches Spielniveau. Für Jazz und Klassik ist eine chromatische Mundharmonika deswegen besser geeignet.

Wie leicht zu lernen? Wie schwer zu spielen?

Durch die besondere Art der Tonanordnung und die Tatsache, dass man immer nur einen einzelnen Ton isoliert spielt, ist die diatonische Mundharmonika einfach zu lernen. Und weil sie die Grundlage aller anderen Mundharmonikas ist, bietet sie sich gerade für den Einstieg ins Harmonikaspiel an.

Sie ist im Vergleich zu einer Tremolo- oder einer chromatischen Mundharmonika auch leichter zu lernen. Bei einem Tremolo-Instrument werden immer zwei Töne gespielt, es fällt also schwieriger herauszuhören, ob man nur die eine Note gleichzeitig spielt oder doch zwei benachbarte Töne. Die anfängliche Schwierigkeit bei einer chromatischen Mundharmonika besteht darin, neben den korrekt getroffenen Tönen auch mit dem Schieber umgehen zu lernen.

Bekannte Volkslieder und Melodien in Dur sind sehr leicht zu lernen. Das klappt bei vielen Einsteigern innerhalb weniger Tage. Und damit kannst du auch schon einiges spielen. Bei fortgeschrittenen Techniken – wie etwa dem Bending – ist wiederum mehr Geduld gefragt. Diese sind für den emotionalen Sound notwendig, den man aus Pop- und Rock-Songs kennt. Wie lange es dauert, solche Techniken zu lernen, hängt vom Spieler ab. Manche kommen schneller dahinter, während andere etwas Starthilfe benötigen. In beiden Fällen zahlt sich ein guter Kurs oder ein Lehrer wirklich aus.

Vorteile und Nachteile

Pro

  • die meist verwendete Mundharmonika-Art in Pop und Rock
  • eignet sich im Gegensatz zur chromatischen Mundharmonika auch zur Begleitung
  • günstig
  • portabel, passt in jede Hosentasche
  • diatonisch, richtig „falsch“ spielen ist unmöglich

Kontra

  • nur in einer Tonart, man braucht also irgendwann mehrere
  • für anspruchsvolle Musikstile weniger gut geeignet

Wie ist sie aufgebaut?

Teile Blues Harp

Cralize

Sie besteht aus zwei Deckelplatten aus Blech. Darunter sind die Stimmplatten aus Messing, auf welchen sich die Stimmzungen befinden. Die Stimmzungen sind meist ebenfalls aus Messing. Inzwischen gibt es aber auch Ausführungen aus Edelstahl.

Zwischen den Stimmplatten befindet sich der kammförmige Kanzellenkörper. Er dient dazu, den Luftstrom zu den Stimmzungen zu leiten. Dafür hat er zehn Kanäle. Der Kanzellenkörper besteht traditionell aus Holz oder Plastik (ABS). Metall ist mittlerweile aber auch gebräuchlich.

Du möchtest mehr über Aufbau, technische Funktionsweise und qualitative Unterschiede wissen, dann empfehle ich dir den Artikel zu Mundharmonika anzusehen.

Bei der diatonischen Mundharmonika ist pro Kanal jeweils eine Stimmzunge beim Blasen und eine andere beim Ziehen aktiv. Man hört also nur einen Ton.

Tonsystem

Bei Richter-Mundharmonikas sind nur die Töne einer einzigen Tonleiter enthalten. Deshalb nennen sie sich diatonisch.

Tonumfang und Tonlage

Mit einer diatonischen Mundarmonika können 19 verschiedene Töne über drei Oktaven gespielt werden.

Die verschiedenen Instrumente sind in allen einzelnen Tonarten erhältlich. Die tiefste Tonart ist G-Dur, die anderen liegen jeweils darüber bis zu F-Dur.

Die normalgestimmten Instrumente beginnen in der kleinen (in den Tonarten G bis H/B) bis zur eingestrichenen Oktave (Tonart C bis F). Sie Enden enden in der zwei bzw. dreigestrichenen Oktave. Beispielsweise ist bei einer C-Dur-Mundharmonika der unterste Ton C4 (internationale Bezeichnung, deutsch: c1) und C7 (deutsch: c4) der höchste Ton.

Zusätzlich zu den 12 Standard-Tonarten werden einzelne Harps auch in einer tieferen Stimmung angeboten, die sich Low-Stimmungen nennen. Sie sind eine Oktave tiefergestimmt als die normalgestimmten Harps. Die Low-Harps nähern sich vom Klang her schon Bass-Mundharmonikas an. Instrumente in Standardtonlage klingen bei den Tonarten oberhalb von D-Dur schon recht schrill, ich meine damit z. B. Harmonikas in E-Dur oder F-Dur. Deswegen bevorzugen einige Spieler für diese Tonarten Low-Mundharmonikas. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aufgrund des etwas knackigeren Klangs beim Rhythmusspiel.

Töne und ihre Anordnung

Die Anordnung der Töne auf der diatonischen Mundharmonika entspricht der sogenannten Richterstimmung. Mit Stimmung ist gemeint, wie die einzelnen Töne auf die Kanäle verteilt sind.

Josef Richter ordnete die Töne basierend auf einer Dur-Tonleiter an, die er aber an ein paar Stellen abwandelte. Es wurden ein paar Töne weggelassen und einer gedoppelt.

Die Richterstimmung bringt einige Vorteile und Nachteile mit sich.

Vorteile:

  • Es lassen sich mit einer so angeordneten Mundharmonika Akkorde spielen. Dadurch ist eine Begleitung anderer möglich.
  • Die wichtigsten Akkorde der Tonart sind spielbar, also der Grundakkord (Tonika) und die Dominante. Zudem sind die Akkorde auf der gesamten Mundharmonika spielbar.
  • Mit der Zungenschlagtechnik kann eine Kombination aus Melodie und Begleitung quasi gleichzeitig gespielt werden. Es ist dadurch also möglich, sich selbst zu begleiten.

Nachteile:

  • Weil die Mundharmonika auf eine Dur-Tonleiter festgelegt ist und nicht alle 12 Halbtöne hat, ist sie auf eine Tonart begrenzt.
  • Der Subdominant Akkord lässt sich mit einer Richter-Harp nicht spielen.
  • Will man also in mehreren Tonarten spielen oder den Subdominantdreiklang zur Begleitung benutzen, so benötigt man mehrere Instrumente. Jede der Mundharmonikas hat eine andere Tonart. Der Spieler wechselt zwischen den Instrumenten und bringt immer die gerade notwendige zum Mund.

Tonübersicht

Durch Blasen und Ziehen lassen sich insgesamt 19 unterschiedliche Töne spielen (hier in C-Dur, beginnend mit C1 im ersten Kanal):

Kanalloch-Nummer:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Blastöne:

C

E

G

C

E

G

C

E

G

C

Ziehtöne:

D

G

B

D

F

A

B

D

F

A

Bei Kanal 1 bis 6 ist der Blaston immer niedriger als der Ziehton. Das kehrt sich in den Kanzellen 7 bis 10 um, denn ab da ist der Ziehton jeweils niedriger als der Blaston. Möchtest du also eine Melodie spielen, die z. B. von Kanal 4 bis 8 reicht, so ist es wichtig beim Wechsel in Kanal 7 besonders aufzupassen.

Schauen wir uns gemeinsam die enthaltenen Töne genauer an, so fällt auf, dass in Kanal 2 das F fehlt, also der vierte Ton der C-Dur Tonleiter (Quarte). Zudem fehlt in Kanal 3 mit dem A der sechste Ton der Tonleiter. In den Kanälen 1 bis 4 kann also keine vollständige Tonleiter gespielt werden! Das gleiche gilt für die Kanäle 7 bis 10, denn in Kanal 10 fehlt das B (deutsch: H, der siebte Ton).

Zum Spielen einer ganzen Tonleiter bleibt also nur die mittlere Oktave zwischen den Kanzellen 4 bis 7. Diese vier Kanäle werden nach Steve Baker auch als Kernoktave bezeichnet. Gerade für Anfänger kann dies verwirrend sein, denn niemand geht davon aus, dass Töne fehlen.

Weitere Besonderheiten:

  • doppelter Ton: der Ton G, der beim Ziehen auf Kanal 2 erzeugt wird, ist derselbe, wie der Blaston in Kanzelle 3
  • fehlende Töne: auf der diatonischen Mundharmonika fehlen alle Tonart-fremden Töne: z. B. bei C-Dur: C#/Db, D#/Eb, F#/Gb, G#/Ab, A#/Bb
  • sich wiederholende Töne: sowohl bei den Blastönen (CEG) als auch bei den Ziehtönen (HDFA) wiederholen sich die Töne, diese bilden die obengenannten Akkorde

Die fehlenden und die doppelten Töne gehen auf die Richterstimmung zurück und das ist durchaus beabsichtigt. So schlimm wie es scheint ist es nicht, denn die fehlenden Töne kann man sich durch die Bending-Spieltechnik zum Großteil wieder zurückholen und der dadurch erzeugte Sound macht das Instrument gerade so attraktiv. Zudem reicht eine Oktave für die meisten Lieder aus.

Der Clou bei der Mundharmonika ist aber, dass sich beim Wechsel zu einem Instrument in einer anderen Tonart die Töne ändern, die relativen Positionen der Töne innerhalb der Tonleiter aber gleich bleiben. Hast du ein Lied also auf einer C-Dur Harp gelernt, so kann du es auch in allen anderen 11 Tonarten problemlos durch einen Wechsel der Mundharmonika spielen. Genial.

Hier eine Übersicht der Töne mit der Position in Bezug auf die Tonleiter, in der das Instrument gestimmt ist (sogenannte 1. Position):

Kanalloch-Nummer:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Blastöne:

1

3

5

1

3

5

1

3

5

1

Ziehtöne:

2

5

7

2

4

6

7

2

4

6

Spezielle Spieltechniken

Durch die Anwendung spezieller Spieltechniken ist die diatonische Mundharmonika heute vollchromatisch spielbar. Das heißt, es ist durch Veränderung der Zunge und des Mund-Rachenraums möglich, die Tonhöhe der gespielten Noten zu verändern.

Matthias Gruber

Bending: Beim Bending wird der Ton bis zu drei Halbtonschritten nach unten „gebogen“, es erklingt also ein tieferer Ton als normalerweise erzeugt würde. Ganz genau gesagt, kann man sogar noch etwa einen Viertelton tiefer spielen. Bending kann je Kanal entweder mit Blas-, oder mit Ziehtönen durchgeführt werden. Beides geht aber nicht auf einmal, denn du kannst ja nicht gleichzeitig blasen und ziehen.

 

Außerdem ist die Tiefe, bis zu der Töne gebendet werden können, in jedem Kanal unterschiedlich. So kann man z.B. der Ziehton in Kanal 4 nur um einen Halbton gebogen werden. In Kanal 3 kannst du aber den Ton bis zu drei Halbtöne nach unten biegen.

Overbends (Overblow/Overdraw): Beim Overblow oder Overdraw kannst du – ähnlich zu Bends – die Tonhöhe verändern. Mit dieser Technik wird aber die Höhe des Tons erhöht. Overbends sind schwieriger zu lernen als Bends und die Tonhöhe kann auch nur um einen Halbton erhöht werden.

Tab-Notation – wie man nach Zahlen spielt

Im Internet wird für Noten eine Tabulatur-Notation verwendet, bei der die Noten anhand von Zahlen angegeben werden. Die Zahl gibt dabei den zu spielenden Kanal an. Soll der Ton durch Blasen erzeugt werden, dann steht vor der Zahl ein Pluszeichen. Zur Vereinfachung wird das Pluszeichen auch weggelassen. Bei einem Ziehton wird vor der Zahl ein Minuszeichen angegeben.

 

Beispiele:

4 oder +4: in Kanal 4 blasen

-5: an Kanal 5 ziehen

Soll der Ton durch Bending erzeugt werden, so wird an die Ziffer entweder ein Hochkomma (') oder der kleine Buchstabe 'b' angehängt. Da hierbei mehrere Halbtonschritte möglich sind, werden mehrere Hochkommata oder 'b' angegeben, um anzuzeigen, um wie viele Schritte der Ton gebogen werden soll. Wird der Ton durch overdraw erzeugt, so schreibt man ein 'o' hinter die Zahl.

 

Beispiele:

-3' oder -3b: an Kanal 3 ziehen und um einen Halbton benden

-3''' oder -3bbb: an Kanal 3 ziehen und um drei Halbtöne benden

+1o oder 1o: in Kanal 1 blasen und den Ton mittels Overdraw erhöhen

Sollen mehrere Töne gleichzeitig gespielt werden, so werden diese durch eine Klammer zu einem Akkord verbunden.

 

Beispiel:

(123) oder [123]: gleichzeitig in Kanal 1, 2 und 3 blasen

 

Hinweis: Diese Tab-Notation gibt leider nicht an, wie lange der Ton gespielt werden soll. Auch Pausen werden damit nicht angegeben. Man muss daher das Lied bereits gehört haben oder gleich mitspielen können, um es auf Basis der angegebenen Notation zu lernen.

Welche kaufen?

Im Folgenden stelle ich dir die verbreitetsten Vertreter der diatonischen Richter-Mundharmonikas von deutschen Herstellern vor:

  • Hohner Marine Band – Sie ist die klassische und wahrscheinlich auch beliebteste Mundharmonika, die sich in unzähligen Liedern wiedererkennen lässt. Ihr Kanzellenkörper ist aus lackiertem Holz.
  • Hohner Special 20 – Dieses Modell wurde in den 1970ern auf den Markt gebracht. Es hat einen Kanzellenkörper aus Kunststoff (ABS). Somit ist es luftdichter und lippenschonender als Holz-Harmonikamodelle. Auch sie ist inzwischen ein Klassiker und wird von vielen Rock und Country-Spielern genutzt.
  • Seydel 1847 Classic – Im Prinzip eine Marine Band (Holzkanzelle), die jedoch durch eine bessere Verarbeitung und Edelstahl-Stimmzungen besticht. Der Vergleich hinkt aber insofern, dass es von Hohner in der selben Preisklasse auch besser verarbeitete Mundharmonikas gibt. Ein sehr gutes Instrument für Profis.
  • Seydel Session Steel – Eine Mundharmonika mit Kunststoff-Kanzellenkörper (ABS) und Edelstahl-Stimmzungen.

Weitere Infos und Tipps die dir bei der Auswahl einer diatonischen Mundharmonika helfen, findest du im Bereich Kaufberatung Informationen über:

Verbreitung

Geografisch gesehen ist die Richter-Mundharmonika vor allem im westlichen Kulturraum weitverbreitet. In Amerika ist sie die in der aktuellen Musik am weitesten vorherrschende Mundharmonika-Art. Aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz macht sie etwa 80% der verkauften Mundharmonikas aus.

Lernmaterial findet sich vor allem in Form von Büchern. Lehrer gibt es nur wenige und diese vorwiegend in größeren Städten.

Wer hat die diatonische Mundharmonika erfunden? - Geschichte

Die diatonische Mundharmonika wurde um das Jahr 1825 von Josef Richter aus dem böhmisch-vogtländischen Grenzland erfunden (heute Tschechien und Sachsen). Du möchtest dich genauer über die Entstehungsgeschichte der Mundharmonika informieren? Dann schau doch mal unter Geschichte der Mundharmonika vorbei.

 

Quellen

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