Chromatische oder diatonische Mundharmonika für Anfänger - was ist besser?

Wahrscheinlich hast du inzwischen schon einiges über die verschiedenen Mundharmonika-Arten gelesen. Aber mit welchem der Instrumente fängst du nun am besten an? Und welcher Typ ist für dich richtig? In diesem Artikel bekommst du konkrete Entscheidungskriterien für und gegen die diatonische oder chromatische Mundharmonika an die Hand.

Chromatische oder diatonische Mundharmonika

Einstiegskosten

Beim Preis für ein anständiges Instrument, von dem du auch länger etwas hast, gibt es einen klaren Gewinner. Die diatonische Mundharmonika nach der Richterstimmung (auch: Blues Harp) kostet dich ab 25 Euro. Eine vernünftige chromatische Mundharmonika dagegen beginnt bei 150 Euro, weil sie wesentlich mehr Teile hat.

Gerade wenn du am Anfang noch nicht weißt, ob du länger dabei bleibst, wäre eine diatonische Richter-Mundharmonika also günstiger. Eine chromatische Mundharmonika bietet sich preislich eher dann an, wenn du schon genau weißt, dass du diese spielen willst.

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Eignung für Einsteiger

Wenn du anfängst, ist es wichtig, dass du mit deiner Mundharmonika einzelne Töne spielen lernst. Das kannst du nur auf der Richter- oder Chromatischen Mundharmonika vernünftig lernen. Eine Tremolo- oder Oktav-gestimmte Mundharmonika ist dazu nicht geeignet, weil bei ihr immer mindestens zwei Töne gleichzeitig klingen.

Schwierig ist am Anfang bei der diatonischen Mundharmonika, dass die Löcher eng beieinander liegen. Da die Abstände der Luftkanäle bei einer Chromatischen Mundharmonika etwas größer sind, kannst du das Einzeltonspiel auf dieser sogar im Prinzip einfacher erlernen. Der große Abstand kann bei schnellen Liedern auch wieder ein Nachteil sein. :) Aber du kannst beruhigt sein, so groß ist der Unterschied dann doch nicht.

Auch die Anordnung der Töne spricht für eine Chrom, denn sie ist auf der ganzen Mundharmonika gleich. Bei der Richter-Mundharmonika fehlen dagegen in der unteren und oberen Oktave ein paar Töne. Diese bekommst du mit der Bending Technik wieder, die manchen anfangs schwer fällt zu lernen.

Aber: Gerade am Anfang brauchst du die fehlenden Töne gar nicht, weil du eh die meisten Lieder in der mittleren Oktave mit den vorhandenen Tönen spielen kannst. Da die mittlere Oktave sowohl bei der diatonischen, als auch der Chromatischen Mundharmonika gleich ist, macht es bei diesen Liedern keinen Unterschied.

Noch ein abschließendes Wort zum Bending: Das Bending erzeugt eben den unverwechselbaren Sound der Blues Harp, den du mit einer Chrom nicht hinbekommst. Und dieser Sound ist für Blues, Country und Rock-Musik entscheidend. Es lohnt sich also die Technik zu lernen.

Und auch wenn du dich für eine der beiden Typen entscheidest, kannst du leicht auf die andere Art umsteigen. Beide sind sich nämlich dann doch recht ähnlich. Dir stehen also alle Türen offen. Und du kannst mit den grundlegenden Spieltechniken dann auch ziemlich einfach Tremolo- oder Oktav-Instrumente lernen.

Unterm Strich sind sowohl die diatonische, als auch die chromatische Mundharmonika für den Einstieg sehr gut geeignet.

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Notwendige Vorkenntnisse

Grundsätzlich brauchst du bei beiden Mundharmonika-Arten keine Vorkenntnisse.

Bei den Lernmaterialien für die chromatische Mundharmonika wird aber bisher ausschließlich die traditionelle Notenschrift verwendet. Die lernst du zwar in den Lehrbüchern, aber Notenkenntnisse sind nicht jedermanns Sache. Jedenfalls trauen sich das leider viele nach schlechten Erfahrungen in der Schule nicht mehr zu.

Kurse für die diatonische Richter-Mundharmonika hingegen kommen überwiegend ohne Noten aus. Du lernst dort nach Gehör und Zahlen zu spielen. Das ist für die meisten Menschen einfacher und reicht eigentlich auch völlig.

Da du mit der Chrom so flexibel bist, kannst du sie in allen Tonarten einsetzen. Dazu musst du aber wissen, aus welchen Noten die jeweilige Skala aufgebaut ist. Auch das musst du erst lernen und dann einüben. Es ist natürlich ein Vorteil wenn du bereits ein anderes Instrument und darauf verschiedene Tonleitern spielen kannst.

Bei der diatonischen Mundharmonika wechselst du dafür einfach das Instrument aus und musst nichts neu lernen.

Sound und Musikstile

Das wichtigste Entscheidungskriterium ist der Klang, den du mit deiner Mundharmonika erzeugen willst. Hierbei unterscheiden sich die diatonische und die chromatische Mundharmonika wesentlich.

Die Richter-Mundharmonika deckt einen weiten Klangbereich ab. Sie beherrscht den luftigen Country-Sound genauso wie dreckige und rockige Klänge. Und natürlich den Blues. Die meisten bekannten Songs verwenden eine Richter-Mundharmonika. Denn nur mit der diatonischen Mundharmonika bekommst du diesen Klang hin.

Die Chrom klingt dagegen eher sauber und exakt, Stevie Wonder entlockt ihr aber auch sehr funkige Soulklänge. Die Chrom klingt aber für Rock, Country und Blues zu weich, und mollig. Den Sound der Blues Harp bekommst du mit der Chrom definitiv nicht hin, weil sie schlicht anders aufgebaut ist.

Genauso kriegst du den typischen Chrom Sound nicht auf der Blues Harp hin. Welchen Sound du bevorzugst ist Geschmackssache. Das kannst nur du für dich entscheiden.

Mit dem Klang hängt auch ganz eng der Musikstil zusammen, in dem du die Mundharmonika einsetzen willst. Der große Vorteil der Chrom ist, dass du auf ihr alle 12 Halbtöne spielen kannst. Damit kannst du also prinzipiell in allen Stilrichtungen flexibel Musik machen. Aber vom Sound passt z. B. eine diatonische Harp besser zu Rock oder Country, weil sie dort seit eh und je eingesetzt wird. Und die Chrom ist deswegen eher im Jazz oder in der Klassik zu Hause.

Aber sind Konventionen nicht dazu da um gebrochen zu werden? :)

Nachteile und Einschränkungen

Die größte Einschränkung der diatonischen Mundharmonika sind die fehlenden Töne in der untersten und obersten Oktave. Dadurch kannst du ohne fortgeschrittene Spieltechniken auf demselben Instrument nicht so einfach die Tonart wechseln. Das kannst du aber dadurch beheben, dass du einfach eine Mundharmonika in einer anderen Tonart nimmst.

Mehr Geduld brauchst du dagegen, um auf der Blues Harp das Bending zu beherrschen. Und das fällt Anfängern oft nicht ganz leicht. Das kannst du dir bei der Chrom sparen, denn dort drückst du für die fehlenden Töne einfach den Schieber. Der Umgang mit dem Schieber ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber lernbar. Schwieriger ist für einen Musik-Laien auf der Chrom das Spielen in einer anderen Tonart, weil du dazu erst die jeweilige Tonleiter spielen lernen musst.

Der größte Nachteil der Chrom ist der Pflegeaufwand. Zum einen ist da die Schiebermechanik, die immer mal wieder gewartet werden muss. Zum anderen hat sie Ventile, die den Luftverlust begrenzen, der durch den komplexen Aufbau bedingt ist. Die Ventile gehen aber mit der Zeit kaputt und müssen ausgetauscht werden. Die Richter-Mundharmonika ist dagegen wesentlich robuster und muss viel weniger gewartet werden.

Gerade wenn du anfängst ist also eine diatonische Mundharmonika entscheidend weniger aufwändig. So kannst du dich auf das Wesentliche konzentrieren - die Musik.

Brauchst du die fehlenden Töne wirklich?

Viele schreckt die Tatsache ab, dass auf einer diatonischen Mundharmonika in der untersten Oktave ein paar Töne fehlen. Stattdessen meinen sie, dass man dann eben eine Chrom braucht.

Der Denkfehler dabei ist, dass gerade Anfänger der Meinung sind, dass sie unbedingt alle Töne brauchen. Nach dem Motto „Viel hilft viel“.

Aber das ist zu kurz gedacht. Denn tatsächlich braucht man für die allermeisten Lieder nur die Töne, die auf der diatonischen Mundharmonika enthalten sind. Und das hat mehrere Gründe:

  • Für die meisten bekannten Lieder reicht der Tonumfang einer Oktave völlig aus. Nur ganz selten braucht man also mehr als 7 Töne der Tonleiter. Bei der diatonischen Mundharmonika hast du aber zwei vollständige Oktaven zur Verfügung. Damit kannst du – außer Klassik und Jazz - beinahe alles spielen.

  • Unsere westliche Musik verwendet im wesentlichen nur die 7 Töne der Tonleiter. Besonders in den Liedern, die du aus dem Radio kennst. Denn unsere Hörgewohnheiten haben sich durch unzählige Lieder daran gewöhnt, dass wir genau diese sieben Töne erwarten. Je mehr Töne außerhalb der Tonleiter in der Musik vorhanden sind, desto unmusikalischer klingt es mit der Zeit für uns. Glaubst du nicht? Dann beschäftige dich mal mit Zwölftonmusik.

  • In der Rock und Pop Musik verwendet man sogar nur 5 der 12 Töne. Es ist unglaublich, aber 90 Prozent der Rock-Lieder nutzen nur die fünf Töne der Moll- und Dur-Pentatonik. Es gibt unheimlich kompliziert klingende Gitarren-Solos, die nur mit 5 Tönen gespielt werden.

Du merkst es schon: In der Musik ist weniger tatsächlich mehr. Wichtiger als die vielen Töne ist der Sound den du erzeugst. Denn das hat viel mehr Einfluss, als die bloße Anzahl an Tönen.

Aber wer braucht dann die zusätzlichen Töne? Naja, das hängt davon ab, was du alles spielen möchtest. Ist dein Ziel Klassik oder Jazz, dann sind die zusätzlichen Töne unverzichtbar. Denn in diesen komplexen Musik-Formen nutzt man das tonale Spektrum maximal aus.

Ein weiterer Punkt ist, wenn du Musik in unterschiedlichen Tonarten oder mit vielen Tonartwechseln spielen möchtest. Auch Lieder mit vielen exotischen Akkorden gehören dazu. Also bei Musik, bei der viel experimentiert wird.

Ist das Bending wirklich so schwer?

Auch das Bending schreckt viele ab. Viele wollen es gleich vermeiden und kaufen sich eine Chrom, obwohl sie eigentlich den typischen Country oder Blues Sound suchen. Und weil sie diesen mit einer Chrom niemals hinbekommen werden, geben sie irgendwann auf.

Dabei ist das Bending für jeden meisterbar. Was bisher fehlte, ist eine gescheite Anleitung, die dir das Bending Schritt-für-Schritt erklärt. Gepaart mit wirklich effektiven Übungen und etwas Geduld schafft es so jeder.

So eine Anleitung findest du übrigens im Bending-Intensiv-Kurs in der HarmonicaRocks Spielfabrik.

Fazit und Empfehlung

Ob Richter- oder Chromatische Mundharmonika - die Entscheidung ist hauptsächlich eine Geschmackssache. Im Prinzip machst du mit beiden alles richtig.

Ich empfehle dir zuerst mit einer diatonischen Mundharmonika einzusteigen, weil:

  • du mit der Blues Harp die bekanntesten Musikstile abdecken kannst
  • die Blues Harp dir den Sound liefert, den die meisten Leute spielen wollen
  • sie wesentlich günstiger ist - auch wenn du entdecken solltest, dass Mundharmonika nichts für dich ist
  • du dich auf die Grundlagen konzentrieren kannst
  • du jederzeit umsteigen kannst
  • du dich nicht mit der Wartung der Ventile und Mechanik herumschlagen musst

Wenn du aber jetzt schon weißt, dass für dich einer der folgenden Punkte zutrifft, dann solltest du dich für eine Chromatische Mundharmonika entscheiden:

  • du liebst den Sound von Stevie Wonder oder Jean Toots Thielemans
  • du möchtest oder kannst dir das Bending nicht beibringen
  • du möchtest überwiegend Jazz oder Klassische Musik spielen
  • du möchtest schnelle Läufe in oft wechselnden Tonarten oder (modale) Skalen spielen
  • du hast bereits musikalische Vorbildung und kannst Noten lesen
  • du strebst ein Musikstudium mit der Mundharmonika an

Let the good times roll – Mark

Blues Harp oder Chrom - Welchen Typ der Mundharmonika findest du besser und warum? Schreib gleich unten deine Meinung dazu!



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