5 Meister der Chromatischen Mundharmonika, die du kennen musst

Wollen wir nicht alle ein wenig Meister unseres Fachs werden? Auf dem Weg dorthin gibt es viele Abzweigungen, Stolpersteine und Klippen zu erkennen. Hier stelle ich dir im Schnelldurchlauf 5 bedeutende Meister ihres Fachs – der Chromatischen Mundharmonika – vor, die du unbedingt kennen musst.

mundharmonika top 5 chrom

Larry Adler

Zunächst möchte ich dir Larry Adler vorstellen. Bereits mit 14 Jahren gelangte Lawrence Cecil „Larry“ Adler für sein virtuoses Spiel auf der Chromatischen Mundharmonika zu größerer Bekanntheit.

Larry Adler Portrait 1947

Das liegt unter anderem auch daran, dass Larry einer der ersten war, der die damals neu erfundene Chromatischen Mundharmonika virtuos spielen konnte. Was er aus dem Instrument heraus zauberte, hatte man damals nicht für möglich gehalten. Es entstanden viele Nachahmer-Bands und in den Vereinigten Staaten kam es zu einem Boom an „Harmonica-Bands“. Plötzlich gab es sie an jeder Ecke und im Radio liefen ständig Songs mit Mundharmonika.

Er gilt auch heute noch als einer der besten Mundharmonikaspieler aller Zeiten. Wie kein anderer konnte Larry sowohl virtuos als auch ausdrucksvoll spielen. Weil er so gut war, schrieben mehrere namhafte Komponisten der klassischen Musik eigens Stücke für ihn. Bis dahin war die Mundharmonika in der klassischen Musik geächtet. Doch Larrys Spiel überzeugte die schärfsten Kritiker. Und damit etablierte sich die Mundharmonika endgültig.

 

 

Larry spielte eine breite Palette an Musikstilen. So war er im Jazz genauso bewandert wie in der Klassik und Pop-Musik. Während seiner Karriere spielte er mit solch bekannten Künstlern wie Elton John, Sting, Django Reinhardt, Frank Sinatra und Kate Bush. Auch die Firma Hohner widmete ihm ein eigenes Mundharmonika-Modell.

Larry Adler hatte natürlich auch großen Einfluss auf andere Mundharmonika-Spieler. So inspirierte er unter anderem auch Toot Thielemans dazu, mit der Mundharmonika anzufangen und war Vorbild für Millionen von Spielern. Selbst einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde hat er sich ergattert. Denn mit Larrys Album „The Glory of Gershwin“ wurde er der älteste Musiker, der die britischen Top Ten erreichte.

 

Jean „Toots“ Thielemans

Der aus Belgien stammende Jean „Toots“ Thielemans spielte zunächst in Ensembles von namhaften Jazzmusikern, wie z.B. Benny Goodman oder Charlie Parker. Allerdings spielte er dort Gitarre, weil die Mundharmonika nicht als vollwertiges Instrument anerkannt wurde.

Jean „Toots“ Thielemans spielt Gitarre 1975

Als er sich so bereits einen Namen gemacht hatte, veröffentlichte er seine Solo Alben mit Mundharmonika. Ihm ist zu verdanken, dass die chromatische Mundharmonika im Jazz als Instrument anerkannt ist.

Ihm gelang es ebenfalls, mit seinem Hit „Bluesette“ einen Jazz-Standard zu platzieren. Jazz-Standards sind Lieder, die von anderen Jazz Künstlern immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert werden. Damit hat er der Mundharmonika zu einem festen Platz im Jazz verholfen. „Bluesette“ war darüber hinaus auch ein Chart-Erfolg und wird gerne im Radio und Fernsehen gespielt. Das lag auch daran, dass Toots Thielemans damit einen ganz neuen Sound aus der Chromatischen Mundharmonika zauberte.

 

 

Zu seinem Status als Legende hat seine Virtuosität, dem auf der Chrom einzigartigen Einsatz des Bendings und seine nuancenreiche Ausdruckspalette beigetragen. Nur wenige Künstler kommen der Vielfalt an Klangfarben seines Spiels nahe. Toots übertrug dabei ein wenig von dem Sound, den man von der Mundharmonika im Blues her kannte, setzte die neue Spielweise aber völlig neu ein. Sein Klang wurde fortan der Standard, dem alle Jazz-Mundharmonika-Spieler nacheifern.

Hinzu kommt, dass es Toots als erstem gelang, den Bebop stilecht auf der Mundharmonika zu spielen. Weil Bebob harmonisch und technisch sehr herausfordernd ist, fand er um so mehr Anerkennung in Jazz-Kreisen.

Toots Thielemans spielte im Laufe seines Lebens so gut wie mit jedem Künstlern aus dem Jazz und Pop Bereich, der Rang und Namen hat. Seine Musik ist in vielen Filmen und Fernsehsendungen zu hören. So hat Toots beispielsweise die Titelmusik der amerikanischen Fassung der Sesamstraße auf seiner Chrom gespielt. Und auch ihn hat die Firma Hohner mit einem eigenen Modell geehrt.

Jeder Chrom-Spieler muss Toots anhören.

 

Stevie Wonder

Stevie Wonder kennst du wahrscheinlich bereits von seinen mehr als 30 Hits. Wusstest du, dass auch er ein begnadeter Spieler der chromatischen Mundharmonika ist? Stevie ist schon seit den 1960er Jahren im Musikgeschäft und war prägend für die R&B, Soul und Funk Musik. Er wurde bereits mit unzähligen Grammys, Oskars und weiteren Auszeichnungen geehrt.

Stevie Wonder am Klavier 1967

Zur diatonischen Mundharmonika kam er bereits als Kind. Schon früh wechselte er zur Chrom und blieb dabei, obwohl er auch hin und wieder Lieder mit einer Blues Harp spielte. Und mit nur zwölf Jahren hatte er als „Litte Stevie Wonder“ seinen Hit – natürlich mit der Mundharmonika, die er schon damals virtuos beherrschte.

Sein Spiel ist durch eine einzigartige, lebhafte Spielweise geprägt. Er hat es wie kein anderer geschafft, Einflüsse von Blues und Jazz in der Soul-, Funk- und Pop-Musik auf der Mundharmonika zum Leben zu erwecken.

Es gelang Stevie auch das Mundharmonika-Spiel in der Pop-Musik auf ein ganz neues Niveau zu heben. Denn vor ihm war diese immer an den Blues oder die Folk-Musik angelehnt. Stevie Wonder konnte als erster Jazz-Einflüsse mit Pop- und Soul-Musik verflechten und komplexe Solos spielen.

 

 

Sein Sound ist von vielen geliebt, begehrt und oft unerreicht. Für die meisten von uns ist Stevie Wonder wohl der bekannteste Mundharmonika-Spieler überhaupt. Viele seiner unzähligen Hits spielte er mit seiner Chromatischen Mundharmonika ein, was ihm eine große internationale Bekanntheit brachte. Und auch im Studio ist er bei anderen Musikern immer wieder gerne mit von der Partie.

Jeder, der die Mundharmonika liebt, kommt an Stevie Wonder einfach nicht vorbei.

 

Willi Burger

Einer der Pioniere, der auf der Mundharmonika als einer der ersten anspruchsvolle klassische Musik spielte, ist Willi Burger. Ursprünglich fand er über ein Instrument seines Vaters zur Mundharmonika. Nachdem er merkte, dass man auf dem Instrument auch mehr als nur einfachste Volksmusik spielen kann, widmete er sich schon früh der Chromatischen Mundharmonika.

Willi Burger studierte Musik und Bildende Künste. 1955 gewann er den Winterthurer Wettbewerb der Fédération Internationale de l’Harmonica als bester klassischer Mundharmonikaspieler der Welt. Er fand damals jedoch keine Engagements, da die Harmonika in Europa noch nicht als richtiges Instrument anerkannt war. Deswegen ließ er das Spielen wieder sein.

Erst 25 Jahre später nahm er das Spielen wieder auf. Seitdem gab er zahlreiche Konzerte mit vielen renommierten Orchestern und gilt als einer der besten Spieler klassischer Musik auf der Mundharmonika. Er hat zahlreiche Stücke auf die Mundharmonika übertragen.

 

 

Willi spielt selbst schwierigste Stücke sehr werktreu und mit einer unglaublichen Leichtigkeit, wobei er die Grenzen des Instruments auslotet. Er hat einen wundervoll edlen Klang und spielt in einer Weise, die allen vor Augen führt, welche Ausdruckskraft eine Mundharmonika haben kann.

Besonders ist seine sehr flüssige Spielweise des Legato, die bei der Mundharmonika besonders schwer zu erzielen ist. Das setzt ihn von vielen anderen Spielern ab. Auch sein besonders purer und voller Klang fand international Anerkennung.

Weil er so ein begnadeter Spieler der Chromatischen Mundharmonika war, haben eine ganze Reihe moderne Komponisten Klassischer Musik eigens für ihn Werke komponiert. Und sogar Hohner, als Hersteller von Mundharmonikas leistete ihm durch ein eigens für ihn entwickeltes Instrument Homage, welches fortan das Top-Modell ihrer Chrom-Reihe war.

Willi Burger ist bis heute ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man auf einer Chromatischen Mundharmonika Klassische Musik auf Welt-Niveau spielen kann.

 

Cham-Ber Huang

Und nicht zuletzt möchte ich dich mit Cham-Ber Huang bekannt machen. Bereits im Alter von sechs Jahren lernte er in Schanghai das Mundharmonika-Spielen. In der Schule bekam er aufgrund seines Mundharmonikaspiels ein Stipendium am Shanghai Musik-Konservatorium. Dort absolvierte er später ein Musik-Studium und lehrte nebenbei als Dozent für Mundharmonika. Danach wendete er sich erneut der vollständig chromatischen Mundharmonika zu.

Anfang der 1950er fand er aufgrund seiner Virtuosität schnell Anklang und spielte bereits mit einem Sinfonie-Orchester. Seine Musikalität begeisterte seine Hörer. Es folgten Einladungen nach Europa und in die USA. Dort musste er trotzdem hart um die Anerkennung des Instruments kämpfen. Schließlich fand Cham-Ber endlich die Begeisterung der Zeitungskritiker, weil er Dinge auf dem Instrument spielte, die damals als unerreichbar galten.

In den USA wurde er zum damals einzigen Professor für chromatische Mundharmonika. Mit Larry Adler verband ihn eine langjährige Freundschaft. Und beide haben zusammen viele Konzerte gegeben. Neben den zahlreichen Konzerten, die er rund um den Globus gab, trug er auch durch seine Lehrtätigkeit mit Fernkursen und Workshops dazu bei, das Spiel auf der Chrom weltweit zu professionalisieren.

 

 

Denn als gebürtiger Chinese machte er die Chromatische Mundharmonika auch in China und anderen asiatischen Ländern mit hohem Anteil an chinesisch-stämmiger Bevölkerung unter seinen Landsleuten bekannt. Seine Bekanntheit, die er Auftritten mit Sinfonie-Orchestern in Shanghai und Taiwan verdankte, führte auch dazu, dass in der asiatischen Welt viele Mundharmonika-Vereine gegründet wurden, in denen er immer wieder wohlwollend mitwirkte. Das führte auch dazu, dass heute Singapur, Korea und Taiwan internationale Zentren für Chrom-Spieler auf Welt-Niveau sind.

In den 1960ern und 1970ern arbeitete er mit Hohner an der Vervollkommnung der Chrom. Bereits vorher hatte er als ausgebildeter Ingenieur selbst an eigenen Mundharmonikas getüftelt. Sein dadurch erworbenes Know-How floss in Verbesserungen vieler Mundharmonikas ein. Unter anderem erfand er die Chordomonica, mit der das Akkordspiel besonders einfach ist. Anfang der 1980er trennten sich die Wege und er gründete danach Chinas erste international erfolgreiche Mundharmonika-Marke: Huang.

 

 

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Let the good times roll – Mark

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Quellen

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