Im Test: C.A. Seydel Blues 1847 Classic

Die Seydel Blues 1847 Classic C im Test ist eine sehr beliebte Mundharmonika für Blues und viele andere Musikstile. Sie löste bei ihrer Vorstellung wegen ihrer Stimmzungen Begeisterung aus und fand seitdem viele Fans. Doch wird sie ihrem Ruf gerecht? Das verrät dieser Test-Bericht zur Seydel 1847 Classic.

Seydel Blues 1847 Classic im Test

Auf einen Blick

Modell

Blues 1847 Classic

Hersteller

C.A. Seydel

Mundharmonika-Art

Diatonische Mundharmonika, 10 Kanäle

Spieler-Level

Anfänger, Fortgeschritten, Profi

Geeignet für Musikrichtungen

Blues, Rock, Country

Preis

75€

Wir danken der Firma C.A. Seydel für die Bereitstellung der Seydel Blues 1847 Classic Mundharmonika für diesen Testbericht. Das Review wurde unabhängig vom Hersteller durchgeführt und stellt die Produkteigenschaften möglichst objektiv und neutral dar.

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Hintergrund

Die Firma C.A. Seydel ist ein Urgestein im deutschen Mundharmonika-Bau. Die Manufaktur aus Klingenthal im Vogtland blickt auf eine über 170 jährige Erfahrung zurück – sie ist damit gleichzeitig der älteste existierende Hersteller für Mundharmonikas der Welt.

Im nur wenige Kilometer entfernten Kraslitz in Böhmen, wurde die Richterstimmung erfunden, die heute auf jeder Blues-Mundharmonika eingesetzt wird. Auch in der näheren Umgebung – dem Musikwinkel – hat Instrumentenbau eine große Tradition.

Seydel Blues 1847 Aufschrift Deckelplatte

Das Modell 1847 Classic nimmt in der Namensgebung bewusst Bezug auf diese langjährige Tradition, denn 1847 ist das Gründungsjahr der Mundharmonika-Schmiede. Laut Hersteller verkörpert das Modell sowohl mit seiner Bauweise die Tradition, als auch mit ihren neuartigen Eigenschaften die Innovation.

Als die C.A. Seydel 1847 Classic im Jahr 2007 auf den Mark kam, setzte sie in mehreren Bereichen neue Maßstäbe. So war sie zum Beispiel die weltweit einzige Mundharmonika mit Edelstahlstimmzungen.

Die Seydel 1847 wird von vielen Mundharmonika-Profis geschätzt. Beispielsweise wurde sie von den Blues-Göttern James Cotton und Charlie Musselwhite gespielt. Es handelt sich um ein Instrument für höchste Ansprüche.

Ausstattung – Überblick

Bei der Blues 1847 Classic* von C.A. Seydel handelt es sich um eine diatonische Mundharmonika mit 10 Kanälen und 20 Stimmzungen. Sie ist in Richter-Stimmung gestimmt. Das Testexemplar ist in der Tonart C-Dur gestimmt. Darüber hinaus sind weitere Mundharmonikas gleichen Typs in unterschiedlichen Tonarten zum Vergleich in den Test mit einbezogen geworden.

Die Mundharmonika ist ein Modell der gehobenen Klasse. Dafür sprechen die verwendeten Materialien. Der Kanzellenkörper besteht aus mehrfach versiegeltem Ahorn-Holz mit lebensmittelechtem Lack.

/Seydel Blues 1847 seitlich

Eine solche Versiegelung macht das Instrument feuchtigkeitsunempfindlich und sorgt dafür, dass sich die Mundharmonika auch nach mehrstündigem Spielen weder verzieht, noch dass das Holz quillt oder bricht. Eine Versiegelung wie diese oder ähnliche werden bei Mundharmonikas gehobener Klasse eingesetzt.

Die Stimmplatten bestehen aus Neusilber in der Plattenstärke 0,9 mm. Dieses Material hat eine höhere Korrosionsbeständigkeit, als Messing oder Bronze. Die Stimmplatten werden durch 5 Schrauben am Holzkörper fixiert.

Die Stimmzungen bestehen aus rostfreiem Edelstahl, dass ebenfalls korrosionsbeständig ist. Ebenso sind die Nieten aus Edelstahl. Die Deckel sind vermutlich aus dickem Blech. Sie sind hinten durchgängig geöffnet und haben keine Stützen. Dadurch kann der Schall dort ungedämpft und voll abgestrahlt werden. Eine gecrimpte Verdickung am hinteren Falz sorgt dafür, dass die Deckel super-stabil sind.

Die Mundharmonika ist 10,2 Zentimeter lang und 3 Zentimeter breit. Sie wiegt 180g.

Die Seydel 1847 Classic ist im traditionellen Blues-Mundharmonika Look gehalten. Trotzdem ist sie für alle gängigen Musikrichtungen wie Blues, Rock, Country oder sogar Jazz geeignet. Sie bietet sowohl dem Profi, Fortgeschrittenen und einem Einsteiger ein solides Instrument, an dem man lange seine Freude hat.

Besonderheiten

Die 1847 Classic ist eine Mundharmonika, die zu ihrem Einführungszeitpunkt in einigen Punkten Maßstäbe setzte und auch heute noch setzt. Denn sie ist derzeit die einzige in Serie hergestellte Richter-Mundharmonika mit Edelstahlstimmzungen.

Stimmzungen aus Stahl sind bei Akkordeons schon lange das Standardmaterial. Bei Mundharmonikas wurde dagegen bisher an Messing festgehalten, weil Stahl leicht durch den Kontakt mit der feuchten Atemluft rostet.

Versuche mit Mundharmonikas mit Stahlzungen gab es bereits vor langer Zeit, diese fanden allerdings nie eine große Verbreitung. Der Knackpunkt ist dabei die Verarbeitung, denn aufgrund seiner Härte und Widerstandsfähigkeit, benötigt die Herstellung der Stimmzungen wesentlich mehr Aufwand und erzeugt so höhere Kosten. Seydel ist es gelungen dieses Material für die Stimmzungen der Mundharmonika einzusetzen.

Die Stimmzungen sollen durch dieses Material 4 bis 5 Mal länger halten, als Stimmzungen aus Messing oder Bronze.

Gerade ihre Korrosionsbeständigkeit sucht im Mundharmonikabereich Ihresgleichen. Denn sowohl Stimmzungen, Nieten und Deckel sind aus rostfreiem Edelstahl. Und die Stimmplatten aus Neusilber sind darüber hinaus besonders widerstandsfähig. Sie ist daher für extreme Einsatzbedingungen geeignet. Das alles verspricht eine lange Lebensdauer. Ob das in der Praxis auch so ist? Der Testbericht verrät es weiter unten.

Seydel Blues 1847 Kanzellenkoerper Ahorn

Eine weitere Besonderheit ist die Ausführung des Holz-Kanzellenkörpers. Denn dieser variiert je nach Tonart. Es muss dazu gesagt werden, dass diese Instrumente in einem besonders großen Bereich verfügbar sind. So gibt es das Modell auch in Tonarten, die bis zu einer Oktave über beziehungsweise unter der Standardstimmung liegen.

Beim Hersteller ist zudem jede beliebige Stimmung erhältlich.

Außergewöhnlich ist auch die Herstellung. Diese erfolgt ausschließlich in Deutschland und zum größten Teil in Handarbeit.

Unboxing

Unboxing Seydel Blues 1847

Der Lieferumfang der Mundharmonika besteht aus:

  • einer 1847 Classic Mundharmonika
  • einem Reinigungstuch
  • einer Bedienungsanleitung
  • einem edlen Etui
  • und einer Hülle aus Karton

Praxis-Test

1 Erster Eindruck

Das getestete Modell wurde brandneu beschafft und befand sich vor dem Test über einem Jahr im täglichen Dauereinsatz.

Beim Auspacken merkt man bereits, dass man hier eine diatonische Mundharmonika der Oberklasse in der Hand hat. Das Etui ist edel gestaltet und auch das Instrument macht gleich einen positiven Eindruck. Denn die 1847 liegt gut in der Hand, man hat den Eindruck, sie ist leicht schwerer als andere Holz Mundharmonikas. Das verleiht ihr ein stabiles und sehr hochwertiges Feeling.

Ein Blick auf das Instrument offenbart, dass dieses insgesamt sehr hochwertig verarbeitet ist. Die mehrfache Versiegelung springt einem ins Auge und zeigt, dass hier an den Details gefeilt wurde. Auch der abgerundete Holzkörper und die abgeschrägten Kanalöffnungen sprechen hierfür.

Alle Materialien wirken sehr hochwertig und edel. Besonders das Neusilber der Stimmplatten hat einen hochwertigen Touch. Der Eindruck wird bei der Recherche später bestätigt, denn alle Materialien sind von höchster Qualität.

Etwas, was mir erst beim Einsatz mit der Band auffällt: Auf den Deckeln ist die Kanalzahl nicht angegeben. Nach etwas Umgewöhnung geht’s super. Doch hätte ich mir einen Punkte oder ähnliches in Kanal 4 und 7 gewünscht, um bei meinen Einsätzen schnell den richtigen Kanal zu finden.

2 Spielgefühl

Es gibt etwas, was mir mit dieser Mundharmonika richtig deutlich aufgefallen ist. Dieses Thema hat sich offenbart, als ich die Seydel 1847 zum ersten Mal angesetzt und gespielt habe. Bringen wirs auf einen Punkt - wie angenehm lässt sich die 1847 spielen?

In anderen Bereichen wird viel Aufwand betrieben, damit sich ein Produkt angenehm und schonend einsetzen lässt. Auch der 1847 sieht man bereits an, dass hier viel in Richtung Ergonomie optimiert wurde.

Alle Kanten sind abgerundet. Auch die Deckel haben an den Seiten zart fließende Formen. Das ist besonders beim Spielen der ganz tiefen oder äußerst hohen Töne sehr angenehm. Denn dadurch werden die Lippen stark geschont.

Seydel Blues 1847 Rückseite

Besonders ist auch, dass die Deckel überall außer hinten komplett abschließen. Das ist besonders für Bartträger wichtig. Denn bei anderen Harps verfängt sich sonst schnell mal ein Haar in so einem kleinen Loch, was durchaus schmerzhaft sein an. Das erspart man sich bei der 1847 Classic.

Die Schalldeckel haben zudem eine Senke in der der Finger der Halte-Hand ganz natürlich seinen Platz hat. Die Mundharmonika liegt daher sehr gut in der Hand. Es fühlt sich sehr gut an, selbst wenn die Harp mit einem Bullet-Mikrofon gehalten wird.

Seydel Blues 1847 Kanzellen-Öffnungen

Etwas besonderes sind die Kanzellen-Öffnungen. Diese sind erstens abgerundet. Und zweitens sind diese leicht oval geformt. Man kennt ähnliches bereits von Chromatischen Mundharmonikas.

Außerdem ist für mich der besondere Clou der 1847: die Form des Kanzellenkörpers. Bei Holz-Mundharmonikas wird die Mundharmonika meistens wie ein Sandwich zusammengebaut. Das heißt, hier liegen die Stimmplatten auf dem Holzkörper. Die Lippen kommen beim Spielen direkt mit diesen in Kontakt. Darum scheuern Holz-Harps in der Regel auch die Lippen mehr auf, als Mundharmonikas, bei denen die Stimmplatten im Körper versenkt sind.

Ich mag eigentlich aus diesem Grund keine Mundharmonikas in traditioneller „Sandwich-Bauweise“. Die Seydel 1847 macht hier eine Ausnahme. Denn bei der 1847 bildet der Holz-Kamm an der Vorderseite einen Bogen. Dadurch verlagert sich der Druck der Lippen mehr auf das Holz. Die Mundharmonika ist dadurch angenehmer zu spielen. Ich finde diesen Ansatz sehr gut und einen echten Fortschritt bei der Ergonomie von Holz-Mundharmonikas.

Beim Spielen fühlt sich das Mundstück der Seydel 1847 Classic Butter-weich an. Das Spielgefühl ist ausgezeichnet. Das liegt an den vielen Abrundungen, die Seydel der Harp verpasst hat. Sie gleitet schnell und sanft im Mund, wodurch sich vor allem schnelle Slides und Sprünge mühelos und reibungslos spielen lassen.

Auch die Haptik ist angenehm und vermittelt einem beim Spielen, ein hochwertiges Instrument zu haben. Das gilt auch für das abgedeckte Spiel im Tongue-Block. Hier liegt die Zunge angenehm sanft auf den Kanzellen. Auch schnelle Wechsel blieben dadurch angenehm „smooth“.

Trotz der innovativen Formgebung des Mundstücks wird bei mir der Mund bei langem und intensivem Spielen wund. Dies passiert mir bei dieser starken Nutzung auch bei Kunststoff-Körper-Harps. Bei der 1847 kommt es im Vergleich zu Kunststoff etwas früher aber immer noch viel später als bei anderen Sandwich Harps vor.

Insgesamt finde ich, ist die 1847 von allen Holz-Mundharmonikas, die ich bereits gespielt habe, diejenige, die sich am angenehmsten anfühlt. Die Nachteile der bisherigen Holz-Harps sind hier minimiert und fallen gar nicht mehr ins Gewicht. Gerade deswegen und wegen ihrer nachfolgend noch geschilderten Vorzüge, haben nach der getesteten 1847 noch weitere Exemplare in anderen Tonarten in meinem Harp-Koffer Einzug gefunden.

3 Ansprache

Beim ersten Anspielen der 1847 hatte ich den Eindruck, dass diese etwas leiser ist, als andere Mundharmonikas. Das hat mich gewundert, denn sie gilt als sehr laut und luftdicht.

Also prüfte ich zunächst die Luftdichtigkeit. Dabei stellte ich fest, dass die 1847 Classic im Vergleich zu meinem besten Instrument bei geringerem Luftfluss bereits einen Ton produziert. Der Luftverbrauch der Seydel ist beim Spielen sehr niedrig. Sogar niedriger, als bei der Vergleichsmundharmonika. Die 1847 ist also besser.

Besonders bei tiefen Tonarten merkt man, dass die Luftdichte der Seydel 1847 ausgezeichnet ist. Hier komme ich im Vergleich zu anderen Mundharmonikas gleicher Tonart weniger aus der Puste und muss seltener Luft holen. Auch die Tonproduktion ist besonders im tiefen Bereich lauter. Übrigens habe ich auch eine 1847 in einer besonders tiefen Low-Tonart. Hier ist dieser Effekt noch ausgeprägter.

Laut Herstellerangabe liegt das an der besonders hohen Präzision der Stimmplatten in Feinschnitttechnik. Auch die Toleranzen zwischen Tonzungen und Stimmplatte sind bei dem Instrument optimiert. Die Luft setzt die 1847 also effektiv dort ein, wo sie soll: Zur Produktion der Töne.

Seydel Blues 1847 Front Deckelplatte

Ich stelle bei weiterem Ausprobieren fest, dass die Edelstahlstimmzungen der 1847 besondere Eigenschaften verleihen. Die Seydel 1847 lässt sich nämlich durch ihre Edelstahl-Stimmzungen mit mehr Luftdruck spielen ohne nennenswert zu verstimmen. Sie entwickelt dabei eine größere Lautstärke als vergleichbare Messing-Stimmzungen.

Das ist also die Erklärung dafür, dass sie von viele Spielern als besonders lautstark gelobt wird.

Oft wird über Mundharmonikas mit Edelstahlzungen behauptet, diese würden sich schwer benden lassen. Die 1847 zeigt allerdings, dass daran nichts dran ist. Denn sie lässt sich – gute Spieltechnik vorausgesetzt – ausgezeichnet Benden.

Es ist sogar so, dass ich mit ihr eine bessere Kontrolle beim Benden habe. Dadurch kann man also die richtige Tonhöhe exakter treffen und halten. Dadurch klingt das Spiel dann auch gleich professioneller. Ich stelle immer wieder fest, dass ich aus dieser Harp viel mehr Nuacen herauszaubern kann.

Die Einstellung der Lösabstände ist ab Werk sehr gut gelungen. So gut, dass ich gar nicht mehr Hand anlegen möchte. Diesen Eindruck bestärken auch Beobachtungen anderer Spieler. Selbst Overblows und Overdraws lassen sich bereits leicht mit der frisch ausgepackten Mundharmonika spielen.

Die Ansprache der Stimmzungen ist über die gesamte Mundharmonika gleichbleibend. Das ist ein besonderes Qualitätsmerkmal, denn wegen ihrer unterschiedlichen Eigenschaften ist es gar nicht so einfach, hohe und niedrige Stimmzungen mit gleicher Ansprache hinzubekommen.

Die Ansprache und Bespielbarkeit der Töne ist also sehr gut und die 1847 lässt sich sehr angenehm und einfach spielen. Aber warum klingt sie dann bei mir etwas leiser? Des Rätsels Lösung offenbart sich mir erst, als ich die Mundharmonika am Computer mit einem Mikrofon vermesse.

4 Sound

Auf die Spur der Lösung des Rätsels kam ich, als ich mich auf die klanglichen Unterschiede konzentrierte. Wie bereits bekannt ist, hat die Seydel 1847 Edelstahl-Stimmzungen. Diese klingen anders, als Messing-Zungen.

Und tatsächlich stelle ich beim ersten Hören fest, dass die 1847 zwar den typischen Holz-Mundharmonika-Sound hat. Aber sie hat bei Einzeltönen im Vergleich zu Mundharmonikas mit Messingzungen, weniger Höhen und dafür mehr Mittenanteile. Das bestätigt sich später auch, als ich zum Vergleich mehrere andere ähnliche Mundharmonikas über Mikrofon einspiele und die Frequenzen überprüfe.

Damit erklärt sich auch, warum sie weniger laut zu sein schien. Denn höhere Töne nimmt unser Ohr lauter wahr. Besonders im Bereich der Obertöne der Mundharmonika-Noten, ist das Ohr am empfindlichsten. Tatsächlich ist die aufgezeichnete Lautstärke der 1847 sogar unter gleichen Bedingungen auf dem Bildschirm immer lauter gewesen.

Viele Spieler klagen darüber, dass bisherige Mundharmonikas zu grell und stechend klingen. Das betrifft oft bereits Mundharmonikas in der Tonart C und darüber. Die 1847 klingt hier dank ihrer Edelstahlzungen ausgewogener und harmonischer. Ich empfinde sie besonders bei höheren Tonarten beim akustischen Spiel angenehm und voll.

Andere Hersteller beschreiben Stimmzungen aus Bronze, die auch weniger Höhen haben, als besonders bluesig klingend. Die Edelstahlzungen der 1847 klingen ebenfalls sehr gut für Blues und haben Fülle und Körper.

Seydel Blues 1847 Rückseite

Bei tieferen Tonarten empfinde ich die Unterschiede sogar noch größer. Hier höre ich bei der 1847 weniger Nebengeräusche und einen reineren Klang, als bei anderen Holz-Mundharmonikas, die bei mir zum Einsatz kamen. Hier spielt die 1847 ihren Trumpf der Dichte voll aus. Dadurch klingt der Ton noch fetter.

Beim elektrischen Blues-Spiel mit dem klassischen Chicago Set-up – Bullet-Mikro über einen Röhren-Verstärker – ändert sich die Ausgangslage. Denn hier filtert das Mikro die hohen Frequenzen heraus. Jetzt sollten also Unterschiede zwischen den Stimmzungen vernachlässigbar sein.

Dank ihrer objektiv höheren Lautstärke fällt mit dabei zuerst auf, dass die 1847, im Vergleich zu dem Klassiker unter den Holz-Harps, deutlich mehr Power hat und wegen dem höheren Mitten- und Bass-Anteil fetter klingt. Bei der Vergleichsharp ist der Sound nur leicht angezerrt. Die 1847 sättigt die Röhren zusätzlich und ist schon deutlich schneller in sattem Distortion. Diesen Unterschied hätte ich nicht erwartet.

Das fällt auch anderen auf. Denn nach einer Bandprobe, bei der ich die 1847 heimlich „hereingeschmuggelt“ habe, werde ich von Drummer und Gitarrist gelobt, dass ich heute besonders fett und durchsetzungsstark klang.

Wie bereits angeklungen, lässt sich die 1847 sowohl leise, als auch ungewöhnlich laut spielen. Sie hat also eine ausgezeichnete Dynamik und bleibt dabei jederzeit nebengeräuschfrei.

Unterm Strich bekommt man bei der 1847 vom Sound her genau das, was man erwartet: Einen ausgewogenen und angenehmen Klang, der sich sowohl akustisch, als auch in einer Band sehen lassen kann.

5 Stimmgenauigkeit

Die 1847 ist ein Instrument in traditioneller Richter-Stimmung. Sie ist beim Hersteller auch in anderen Stimmungen erhältlich. Zum Einsatz kommt eine sogenannte Kompromiss-Stimmung, die sich sowohl das Melodie-, als auch das Akkordspiel gut anhört. Seydel verwendet als Referenzton beim Stimmen 443Hz.

Leider habe ich die Mundharmonika nicht im Neuzustand vermessen. Ich hatte damals den Eindruck, das sie sehr gut gestimmt war. Die Oktavreinheit der Seydel 1847 ist auf allen Instrumenten, die ich davon habe ausgezeichnet. Ein weiterer Punkt den man anmerken kann, ist, dass die Akkorde bei der 1847 sehr voll und schwebungsfrei anhören. Auch das entspricht der sehr guten Werkstimmung.

Die Edelstahlstimmzungen werden vom Hersteller als besonders Stimm-stabil bezeichnet. Die 1847 hat bei mir auch nach einem Jahr im Dauereinsatz ihre Stimmung so stabil gehalten, dass sie auf dem normalen Auslieferungsniveau ist.

Es fällt auf, dass alle Mundharmonikas, die ich bislang von Seydel gespielt habe, hervorragend gut gestimmt sind. So gut, dass der Klang der Instrumente insgesamt rein und genau erscheint. Das lässt sich schwer in Worte fassen. Es hört sich damit professionell an. Das ist wohl kein Zufall, denn Mundharmonika-Profis stimmen ihre Instrumente oder lassen sie stimmen, statt diese mit Werksstimmung zu spielen.

6 Langlebigkeit, Wartung und Reinigung

Im Blick auf die Wartbarkeit kann man der Seydel 1847 ein sehr gutes Zeugnis ausstellen. Alles ist mit Schrauben zusammengehalten, sie kann also einfach auseinander genommen werden und lässt sich leicht wieder zusammenbauen.

Beim Abnehmen der Deckel fällt die unglaubliche Präzision der Mundharmonika ins Auge. Die Spalte sind so klein, wie ich das noch bei keiner Mundharmonika gesehen habe. Da ist kein Customizer nötig. Die Toleranzen sind schon so gering, dass man einfach nichts mehr verbessern kann. Hut ab!

Seydel Blues 1847 edles Etui

Die Langlebigkeit der Blues 1847* Classic Produkte sollte aufgrund der verwendeten Materialien gesichert sein. Tatsächlich entdecke ich nach einem Jahr Benutzung nur die unvermeidlichen Verfärbungen vom Speichel auf den Stimmplatten. Die Stimmzungen glänzen, als ob sie neu sind. Diese werden bestimmt jahrelang halten.

Etwas negativ fällt mir der untere Deckel auf. Dieser hat nach der Einsatzzeit von einem Jahr im Dauergebrauch beim gecrimpten Falz etwas Flugrost. An den Kontaktflächen zur Stimmplatte kam es zu einer Kupfer-Patina. Das ändert freilich nichts am Gebrauch und der Langlebigkeit.

Im Inneren sieht die Mundharmonika trotz des langen Einsatzes um die Kanäle beinah brandneu aus. Der versiegelte Holzkörper blieb dicht. Auch die Stimmplatten und Tonzungen sehen sehr gut aus. Man würde denken, die Harp wäre zwei Monate in Gebrauch gewesen, so gut sieht alles aus.

Ein weiterer Punkt, den man bei Mundharmonikas nicht unbedingt erwartet, ist der Service. Dieser sucht bei Seydel seinesgleichen, wie etliche Erfahrungs-Berichte von Mundharmonika-Spielern bezeugen. Es gibt zu allem Ersatzteile, der Service kümmert sich mit Rat und Tat um die Instrumente und Belange der Kunden.

Pro & Contra

Pro – Was gefällt

  • Super sanftes und angenehmes Spielgefühl.
  • Runder, voller und angenehmer Klang. Verstärkt fett und durchsetzungsstark.
  • Tolle Dynamik, reagiert exakt auf die Spielweise und erlaubt nuancenreiches Spiel.
  • Exzellent ab Werk eingestellt – sowohl Ansprache und Stimmgenauigkeit Spitzenklasse.
  • Kann sehr laut gespielt werden ohne kaputt zu gehen.
  • Edelstahlstimmzungen - Hochwertige, korrosionsbeständige Materialien.
  • Ausgezeichnete Verarbeitung, sehr hochwertige Haptik.

Contra – Was ist mir aufgefallen

  • Fehlende Kanal-Zahlen auf Deckel erschweren die Kanalfindung ewas.
  • Unterer Deckel hat bei mir geringfügigen Flugrost am Crimp Falz innen.

Fazit

Die Seydel 1847 Classic* überzeugt durch ihr sehr angenehmes Spielgefühl. Die Verarbeitung und die verwendeten korrosionsbeständigen Materialien sind auf höchstem Niveau. Sie lässt sich leicht reinigen und warten. Die Leistung entspricht dem Preis.

Die getesteten Instrumente waren sowohl im Blick auf Ansprache und Stimmung spitzen-mäßig eingestellt. Viele Spieler tunen ihre Instrumente um das Optimum herauszuholen. Das ist bei der Seydel 1847 bereits ab Werk für mich perfekt.

Der Klang ist angenehm warm und voll. Sie klingt sowohl im akustischen als auch im elektrischen Spiel schön ausgewogen und ist in einer Band durchsetzungsstark.

Die 1847 Classic von C.A. Seydel ist für jeden Spieler geeignet, der sich eine ab Werk schon sehr gute Mundharmonika zulegen möchte. Denn sie ist aufgrund ihrer Eigenschaften für Fortgeschrittene sehr zu empfehlen. Auch als Einsteiger liegt man damit richtig.

Ich finde die Seydel Blues 1847 Classic* ist eine rundum gelungene Mundharmonika mit einem edlen Touch, an der man lange seine Freude hat.

Bewertung: (sehr gut)

Preis-Leistungsverhältnis: (gut)

Preis: 75 Euro

Seydel Blues 1847 mit Umkarton

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Kommentare  

0 # Uwe 2020-10-11 18:06
Hallo lieber Mark,
dein Testbericht über die Seydel Blues 1847 Classic ist einfach super!
Alle was du dort geschrieben hast, kann ich voll unterstreichen. Das sage ich nicht nur so: Ich habe eine Seydel 1847 in Solo Stimmung, config. in LEb, mit abgeflachten Deckeln, wie die Session Steel Harp.
Wunderbares Instrument. Damit spiele ich so Sachen wie "Griechischer Wein" von Udo Jürgens. Kostet ca. 100€.
Eine Seydel Solist pro Steel habe ich auch noch, config. in Orchester LD.
Ebenfalls ein tolles Instrument. Leider hat sie am unteren Deckelrand links eine scharfe Kante. Die konnte ich mit etwas klarem Nagellack einigermassen entschärfen. Ansonsten ist diese Harp ebenfalls super zu spielen. ca. 125€.
Alles Gute für dich und bleib gesund in dieser scheußlichen Coronazeit!!!
Keep harping!
Uwe
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0 # Mark von HarmonicaRocks 2020-10-12 08:29
Hallo Uwe,
danke für deinen Kommentar.
Die 1847 gibt es natürlich in vielerlei Ausführungen - mit unterschiedlichen Stimmungen und Kanzellenmaterialien.
Die Kanten sind auf meinen Instrumenten alle in Ordnung. Dafür hast du ja einen Workaround gefunden.

Dir auch alles Gute,
Mark.
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